Feedbackgespräch führen: ansprechen, was ansteht
Ein Feedbackgespräch bleibt im Führungsalltag oft aus. Meist liegt es an drei Dingen: am Zeitpunkt, an einer Bewertung statt einer Beobachtung und an der Sorge vor der Reaktion.
Woran Sie es merken
- Rückmeldungen kommen gebündelt im Jahresgespräch statt in der Woche, in der etwas passiert ist
- Lob ist allgemein, Kritik ist vage, beides bleibt folgenlos
- Sie führen das Gespräch dreimal im Kopf und einmal nie
- Im Team wird über eine Person gesprochen und selten mit ihr
Was dahintersteckt
Feedback wird als Urteil erlebt, sobald es eine Person bewertet. Wer hört, dass er unzuverlässig sei, verteidigt sich. Wer hört, dass die Zahlen am Dienstag um 14 Uhr gefehlt haben und das Meeting deshalb verschoben wurde, kann etwas damit anfangen.
Der zweite Grund ist der Zeitpunkt. Je länger eine Beobachtung liegt, desto mehr Deutung setzt sich darauf ab. Nach vier Wochen sprechen Sie über ein Muster und nicht mehr über eine Situation, und das lässt sich schwerer klären.
Was im Gespräch hilft
- Eine konkrete Situation nennen, mit Datum und Zusammenhang
- Die Beobachtung von der Deutung trennen und beides kenntlich machen
- Die Wirkung aus der eigenen Sicht beschreiben statt eine Absicht zu unterstellen
- Eine klare Bitte für das nächste Mal formulieren
- Danach schweigen und die Antwort abwarten
Feedback annehmen
Die schwierigere Hälfte ist das Zuhören. Wer eine Rückmeldung bekommt, will erklären, warum es so gekommen ist. Diese Erklärung ist meistens richtig und bringt das Gespräch trotzdem zum Stillstand.
Was hilft: nachfragen, bis die Situation klar vor Augen steht, das Gehörte in eigenen Worten wiederholen, danken und erst später entscheiden, was Sie damit machen. Eine Rückmeldung anzunehmen bedeutet noch nicht, ihr zuzustimmen.
Wie wir daran arbeiten
Im Führungskräftetraining bringen die Teilnehmenden ihre eigenen offenen Gespräche mit. Wir sortieren die Situationen, bauen die Gesprächseinstiege und spielen sie in Kleingruppen durch, mit Rückmeldung aus der Gruppe. Am Ende steht bei jedem eine konkrete Verabredung mit sich selbst: welches Gespräch bis wann geführt wird.
Klingt das nach Ihrer Situation?
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